In Zukunft muss der Bund sicherstellen, dass in der Schweiz keine Pelze gehandelt werden, für die Biber oder Marder in kleinen Käfigen oder Totschlagfallen gelitten haben.
Der Ex-Präsident der Grünen, Balthasar Glättli, wird gerne pathetisch. Und so hat er sich die Chance nicht nehmen lassen, am Mittwoch den Philosophen Arthur Schopenhauer zu zitieren: «Mitleid mit den Tieren hängt mit der Güte des Charakters so genau zusammen, dass man zuversichtlich behaupten darf, wer gegen Tiere grausam ist, könne kein guter Mensch sein», dozierte Glättli.
Traktandiert war ein Verbot des Imports von Pelzen, für die Tiere gequält worden sind. Hintergrund ist die Pelz-Initiative der Alliance Animale Suisse. Die Tierschützer wollen ein Importverbot in die Bundesverfassung schreiben, der Bundesrat setzt dem einen indirekten Gegenvorschlag auf Gesetzesstufe entgegen.
Die Grundzüge dieses Verbots waren im Ratssaal unbestritten. Die Mehrheit der Politiker war der Meinung, dass man in der Schweiz keine «tierquälerisch erzeugten Pelzprodukte» will. Diskussionen gab es darüber, was tierquälerisch heisst – und wer das definieren und überprüfen soll. Dabei zeigte sich: Wenn es um den Tierschutz geht, verfängt das klassische Links-rechts-Schema nicht.
Füchse kontrollieren Hühner
Grob gesagt gab es zwei Lager: ein Liberales aus FDP und Teilen der SVP und ein anderes, restriktiveres. Letzteres orientierte sich am Bundesrat. Die dafür Zuständige Elisabeth Baume-Schneider (SP) schlug vor, dass das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit ein Zertifizierungsprogramm entwirft, an das sich die Händler halten müssen. Dieses Programm ist bereits in Arbeit – da seit dem 1. Juli bereits eine Verordnung in Kraft ist, die nach zweijähriger Übergangsfrist ein Einfuhrverbot für Qualpelze vorsieht. Die aktuelle Revision will das Verbot nun zusätzlich auf Gesetzesstufe heben.
Dem liberalen Lager – angeführt von Regine Sauter – ist diese Lösung zu bürokratisch. «Welcher Händler orientiert sich schon an der Schweizer Zertifizierung?», fragte die Freisinnige. Das käme einem faktischen Verbot des Imports aller Pelze gleich. Stattdessen forderte Sauter im Namen der FDP, dass sich Händler an den Vorgaben international anerkannter Zertifizierungssysteme orientieren.
Die Mehrheit des Parlaments vermochte das nicht zu überzeugen. Ein Parlamentarier nach dem anderen trat ans Mikrofon, um seine Empörung vorzutragen. Das Argument war immer dasselbe: Die führende Zertifizierungsstelle heisse Furmark. Diese wurde von der International Fur Federation gegründet, also dem Weltverband der Pelzindustrie.
«Das ist, wie wenn der Fuchs den Hühnerstall überwacht», sagte etwa Nina Fehr-Düsel (SVP). Furmark erachte es nicht als tierquälerisch, Nerze, Füchse und Marderhunde in kleinsten Drahtgitterkäfigen zu halten, gab Meret Schneider (Grüne) zu bedenken. Diese können die Pfoten verletzen. Und auch Fallen, in welchen Biber oder Marder nach Schlägen langsam sterben, sind nicht ausgeschlossen. «Wir sollten Lebewesen nicht ohne Not aus purem Luxus leiden lassen», sagte Schneider, «und Pelz ist nun einmal purer Luxus.»
Die grosse Mehrheit des Rates sah das gleich: Die Bundeszertifizierung setzte sich mit 127 zu 59 Stimmen bei 5 Enthaltungen durch. Die Vorlage muss noch in den Ständerat.
Die Debatte kommt genau zum richtigen Zeitpunkt. Oder – je nach Standpunkt – genau zum falschen. Während sich die Modewelt in den letzten Jahren auf Druck der Konsumentinnen und Konsumenten vom echten Pelz abgewandt hat, könnte der Nerz jetzt ein Comeback feiern, wie das Magazin «Annabelle» im Frühling zu beklagen wusste. Modehäuser wie Simone Rocha, Fendi oder Miu Miu hätten Pelzmäntel in der Winterkollektion.
Trendforscher machen einerseits junge Leute verantwortlich, die auf Secondhand stehen und die antiken Mäntel ihrer Grosseltern ausmotten. Andererseits begründen sie das Comeback mit dem Wiederaufleben konservativer Werte und der Abwendung von der Klimabewegung, die sich auch modisch niederschlagen soll. Einen Pelz zu tragen, verströme «einen Hauch Revolution», hiess es im «Spiegel».
Auch ein Pelzverbot, wie es der Nationalrat will, wäre ein Durchbruch. Die Schweiz wäre das erste Land in Europa, das Import und Handel so streng regulieren würde.