20min 18. September 2025

Ab wann sollen trans Jugendliche Pubertätsblocker einnehmen dürfen oder gar geschlechtsangleichende Operationen machen lassen? Erst ab 18, findet SVP-Nationalrätin Nina Fehr Düsel und reicht dazu einen Vorstoss ein.

Nina Fehr Düsel (SVP/ZH) fordert, dass unter 18-Jährige keine geschlechtsangleichenden Operationen durchführen lassen dürfen.
Nina Fehr Düsel (SVP/ZH) fordert, dass unter 18-Jährige keine geschlechtsangleichenden Operationen durchführen lassen dürfen.
20min/Matthias Spicher

Sie nimmt damit eine Forderung ihrer Parteikollegin, Regierungsrätin Natalie Rickli, auf.
Sie nimmt damit eine Forderung ihrer Parteikollegin, Regierungsrätin Natalie Rickli, auf.
Balz Murer (mu)

Fehr Düsel begründet ihre Forderung mit dem Jugendschutz.
Fehr Düsel begründet ihre Forderung mit dem Jugendschutz.
20min/Matthias Spicher

Anna Rosenwasser (SP/ZH) hält dagegen: «Jedes Kind hat das Recht, gut und gesund aufwachsen zu können.»
Anna Rosenwasser (SP/ZH) hält dagegen: «Jedes Kind hat das Recht, gut und gesund aufwachsen zu können.»
20min/Matthias Spicher

Wenn man Jugendlichen das Transsein verbiete, verursache das langfristig enorme gesundheitliche und psychische Schäden.
Wenn man Jugendlichen das Transsein verbiete, verursache das langfristig enorme gesundheitliche und psychische Schäden.
20min/Matthias Spicher

Rosenwasser findet weiter, dass Fehr Düsel «moralische Panikmache auf dem Rücken einer sehr kleinen, aber wichtigen Minderheit» betreibe.
Rosenwasser findet weiter, dass Fehr Düsel «moralische Panikmache auf dem Rücken einer sehr kleinen, aber wichtigen Minderheit» betreibe.
20min/Michael Scherrer

Im Sommer lancierte die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (SVP) den Kampf um transgeschlechtliche Jugendliche. Sollen sie schon vor dem 18. Geburtstag Operationen durchführen lassen dürfen, die ihr äusseres Geschlecht mit ihrer Geschlechtsidentität in Einklang bringen könnten? Nein, fand die Zürcherin und forderte das Zürcher Unispital zu einer restriktiveren Handhabung auf.

Zudem mahnte sie den Bund, aktiv zu werden. Dies geschieht nun im Parlament. SVP-Nationalrätin Nina Fehr Düsel wird kommende Woche einen Vorstoss im Nationalrat einreichen, der Operationen für unter 18-Jährige verbieten würde sowie eine zusätzliche Hürde für den Zugang zu Hormonbehandlungen für Minderjährige fordert.

Wie jüngste Zahlen des Bundes zeigen, haben geschlechtsangleichende Operationen bei Jugendlichen auf tiefem Niveau zugenommen. 2018 waren es noch sieben Eingriffe, 2023 waren es 32. Bei allen Eingriffen handelte es sich um Brustentfernungen.

Nina Fehr Düsel (SVP): «Geht um den Jugendschutz»

Ein OP-Verbot für Minderjährige diene dem Jugendschutz, sagt Fehr Düsel. «Hier geht es um wichtige Entscheide am eigenen Körper, über die man mit 18 Jahren eine reifere Entscheidung treffen kann als davor.»

Fehr Düsel begründet ihre Forderung mit dem Jugendschutz.
Fehr Düsel begründet ihre Forderung mit dem Jugendschutz.
20min/Matthias Spicher

Die Motion wurde neben SVP-Parlamentariern auch von Nationalrätinnen und -räten der Mitte und der FDP unterzeichnet. «Die Regeln für Trans-Behandlungen von Jugendlichen müssen eidgenössisch sein. Ich will keinen kantonalen Flickenteppich», sagt die Juristin.

Anna Rosenwasser (SP): «Transmenschen können Druck und falsches Körpergefühl kaum aushalten»

Auf der Gegenseite kämpft die Zürcher SP-Nationalrätin Anna Rosenwasser für die Rechte der Jugendlichen. «Jedes Kind hat das Recht, gut und gesund aufwachsen zu können», sagt sie. Trans Jugendlichen gehe es dann gut, wenn sie ernst genommen würden. «Transmenschen, ob Kinder oder Erwachsene, werden zudem nicht weniger trans, wenn man ihnen verbietet, trans zu sein. Im Gegenteil.»

Wenn man Jugendlichen das Transsein verbiete, verursache das langfristig enorme gesundheitliche und psychische Schäden.
Wenn man Jugendlichen das Transsein verbiete, verursache das langfristig enorme gesundheitliche und psychische Schäden.
20min/Matthias Spicher

Wenn man ihnen das Transsein verbiete, verursache das hingegen langfristig enorme gesundheitliche und psychische Schäden. «Das, weil sie den Druck, das Verstecken, das falsche Körpergefühl und alle damit verbundenen Gefühle nicht aushalten können», so Rosenwasser.

Pubertätsblocker und Hormone nur noch im Rahmen von Studien?

Verlängert also ein Verbot das Leiden der Betroffenen, bis sie eben 18 sind? Nein, findet Fehr Düsel. Sie habe erst kürzlich mit einem Jugendlichen gesprochen, der vor 18 den Wunsch hatte, sich operieren zu lassen, es dann aber nicht gemacht habe und im Nachhinein sehr froh darüber gewesen sei. «Vielleicht verdeckt das Transsein nämlich auch andere psychische Probleme, die mit einer vorschnellen OP übertüncht werden», so die Nationalrätin.

Streitpunkt: Wie schnell werden trans Jugendliche behandelt?

Rosenwasser, die auch als Aktivistin für LGBTQ+-Rechte bekannt ist, nennt den SVP-Vorstoss «moralische Panikmache auf dem Rücken einer sehr kleinen, aber wichtigen Minderheit». Vorstösse wie der von Fehr Düsel und ihrer Unterstützer würden verkennen, «dass unser Gesundheitssystem enorm sorgfältig arbeitet». Trans sei keine «Modediagnose» und Behandlungen würden nie leichtfertig ermöglicht, sondern es würden alle Optionen vorher sorgfältig abgeklärt.