tagesanzeiger.ch, 1. Mai 2026

Nina Fehr Düsel will verhindern, dass das Importverbot für Quälpelz aufgeweicht wird. Eine aktuelle GFS-Umfrage zeigt: 91 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer stehen hinter ihr.


Die Zürcher SVP-Nationalrätin Nina Fehr Düsel hat auch Parteikolleginnen und -kollegen mit ihrem Engagement für den Tierschutz überzeugen können.
Foto: Sabina Bobst

Ginge es nach der Schweizer Bevölkerung, wäre der Fall klar: Sie lehnt Pelze, für deren Herstellung Tiere gequält wurden, entschieden ab. Die Einigkeit darüber ist mit 91 Prozent gross – das zeigt eine aktuelle Umfrage, welche die Tierschutzorganisation Vier Pfoten, die für ein Pelzverbot kämpft, beim Forschungsinstitut GFS Zürich in Auftrag gegeben hat. Mitte März wurden 1200 stimmberechtigte Personen in allen Landesteilen dazu befragt.

Anlass dafür war, dass im Juli 2027 ein «Importverbot für tierquälerisch erzeugte Pelze und Pelzprodukte» in Kraft tritt. Der Bundesrat erliess es, weil die seit 2014 geltende Deklarationspflicht im Verkauf «mangelhaft» umgesetzt werde, wie er festhielt. Gleichzeitig reagierte er damit auf die Pelzinitiative von Alliance Animale Suisse. Doch nun droht eine Abschwächung durch das Parlament, weil einigen Bürgerlichen die bundesrätlichen Regeln zu streng sind.

Nina Fehr Düsel will das verhindern. Für die Zürcher SVP-Nationalrätin ist der Tierschutz «eine Herzensangelegenheit», wie sie sagt. Pelz aus Käfighaltung finde sie schlicht «unnötig, weil er viel Tierleid verursacht und es längst Alternativen gibt», sagt Fehr Düsel. Obschon sonst stramm auf Parteilinie politisierend, setzte sie sich als Bürgerliche dafür ein, dass der Nationalrat im vergangenen September den Gegenvorschlag zur Pelzinitiative von Alliance Animale Suisse annahm – mit einer Mehrheit von 183 zu 9 Stimmen. «Das hätte ich nicht für möglich gehalten», sagt Fehr Düsel. Sie habe viele aus den eigenen Reihen überzeugen können.

Nina Fehr Düsel spricht von «Greenwashing» in Pelzindustrie

Umso mehr will sie dafür sorgen, dass «jetzt auf der Zielgeraden nicht noch etwas schiefläuft». Am kommenden Montag berät die zuständige Kommission des Ständerats das Geschäft – und seit der Abstimmung im Nationalrat hätten gewisse Lobbyisten den Druck nochmals verstärkt, sagt Fehr Düsel: «Da läuft einiges hinter den Kulissen.

Konkret geht es um die Gütesiegel, die garantieren sollen, dass Pelz nicht aus tierquälerischer Haltung stammt. Geplant ist, dass die Schweizer Behörden dafür zuständig sind. Die Lobbyisten hingegen fordern, dass die Pelzindustrie sich die Unbedenklichkeitsnachweise selbst verleihen kann. Für Nina Fehr Düsel ist das inakzeptabel: «Das ist, wie wenn der Fuchs den Hühnerstall bewacht», sagt sie und bezeichnet dies als «Greenwashing». Hinzu kommt, dass die Anforderungen der Industrie dem Schweizer Tierschutzgesetz bei weitem nicht genügten, wie die Stiftung Tier im Recht erklärt.

Bevölkerung will strenges Importverbot

Auch die Befragten der GFS-Studie haben kein Verständnis dafür, dass sich die Pelzindustrie die Zertifikate selbst ausstellt – nur gerade 1 Prozent heisst das gut. Dafür findet eine überwältigende Mehrheit wichtig, dass das Schweizer Tierschutzgesetz eingehalten wird: 84 Prozent lehnen es ab, dass Pelze importiert werden dürfen, die dessen Standards widersprechen.

Das betrifft zum Beispiel Käfige mit Gitterböden. Sie gelten gemäss der European Food Safety Authority als tierquälerisch, sind aber unter den geläufigsten Gütesiegeln wie Furmark und Saga Furs erlaubt.

Zwei Polarfüchse in einem Käfig auf einer Pelzfarm in Murmansk, Russland, vor ihrer Tötung für die Pelzindustrie.
Zwei arktische Füchse in einem Käfig mit Drahtgitterboden: Die Tiere können sich an den Pfoten verletzen, und die beengten Platzverhältnisse führen dazu, dass sie sich selbst verstümmeln oder kannibalisieren.
Foto: Getty Images

Das Problem mit diesen Käfigen: Die Gitterböden verletzen die Pfoten, die beengten Platzverhältnisse setzen die Tiere so unter Stress, dass das zu kannibalistischem Verhalten und Selbstverstümmelung führen kann. Ebenfalls erlaubt unter den brancheneigenen Gütesiegeln blieben Fallen, mit denen Biber, Marder, Füchse und Waschbären gejagt werden. Ihr Einsatz ist laut einem Abkommen zwischen Europa, Russland und Kanada selbst dann erlaubt, wenn die Tiere bei vollem Bewusstsein minutenlang mit dem Tod kämpfen.

All das könne man nicht tolerieren, findet Fehr Düsel und sagt, sie bekomme viele Rückmeldungen von Menschen aus allen politischen Lagern, die sich für ihren Einsatz bedankten. «Die Leute wollen, dass mit Tieren anständig umgegangen wird. Es kann nicht sein, dass das Parlament bei diesem Thema derart an der Bevölkerung vorbeipolitisiert», sagt sie. Matthias Michel, Zuger FDP-Ständerat und Präsident der zuständigen Kommission, wollte sich auf Anfrage nicht dazu äussern.